Richter entscheidet Sorgerechtsstreit durch Münzwurf – gefeuert!

Sein Versuch, es dem antiken König Salomon gleich zu tun, ist einem amerikanischen Familienrichter zum Verhängnis geworden.

Richter James Michael Shull aus Gate City im US-Bundesstaat Virginia wurde vom dortigen obersten Gerichtshof einstimmig von seinen Funktionen entbunden. Er hatte zugegeben, dass er mit einem Münzwurf entschieden habe, welcher der zerstrittenen Elternteile das Besuchsrecht für die Weihnachtszeit erhalten solle. Er habe damit die Eltern auffordern wollen, die Angelegenheit selbst zu regeln, musste dann aber zugeben, einen Fehler gemacht zu haben.

Als noch gravierender sah der Oberste Gerichtshof die Tatsache an, dass er eine Frau dazu gezwungen habe, im Gerichtssaal die Hosen herunter zu lassen. Die Frau hatte behauptet, sie sei von ihrem Partner mit einem Messer ins Bein gestochen worden zu sein. Richter Shull - der wusste, dass die Frau an psychischen Problemen litt - liess sich die Wunde ein zweites Mal zeigen, um zu sehen, ob sie genäht wurde.

Ein Gerichtsdiener hatte den Richter nach der Verhandlung gefragt, was denn die Dame unter ihrer Hose getragen habe. „So ein Spitzen-Ding - sah gut aus, nicht?" soll Shull geantwortet haben, was dieser jedoch bestreitet.

Das oberste Gericht hätte es auch bei einem Verweis für Richter Shull bewenden lassen können. Dieser war jedoch nicht zum ersten Mal negativ aufgefallen. So hatte er in einer anderen Verhandlung einen Jugendlichen ein „Muttersöhnchen" und ein „Weichei" genannt. In einem weiteren Fall hatte er einer Frau vor Gericht geraten, ihren gewalttätigen Lebenspartner zu heiraten.

Während Shull in jenen Fällen noch mit einer Ermahnung davon kam, war das Mass nach den erneuten Eskapaden des Richters nun voll: Er wurde abberufen. „Wenn unsere Bürger nicht darauf vertrauen können, dass Richter die vorgebrachten Fälle fair entscheiden und allen Betroffenen mit Würde begegnen, werden unsere Gerichte die Achtung und das Vertrauen des Volkes verlieren, auf denen unser Rechtsstaat beruht", sagte eine Oberrichterin.

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