Ex-Ski-Star Brigitte Oertli: 'Ein Kind gehört niemandem!'
Dienstag, den 06. März 2007 um 09:20 Uhr
Brigitte Oertli erzählt anlässlich der mannschafft-Medienkonferenz über das Ende ihrer Ehe: 'Mir war von Anfang an wichtig, dass unser Sohn Simon seinen Vater behält. Wir haben vor dem Gerichtsverfahren vereinbart, dass wir den Umgang bilateral regeln werden. Wir vereinbaren seither situativ, wer wann Simon betreut. Simon sieht daher seinen Vater sehr häufig.Anfangs hatte mein Ex-Partner sehr grosse Probleme, den Verlust von Frau und Kind zu verarbeiten. Er war sehr introvertiert. Als Simon vierjährig war, habe ich ihm dann klar gemacht, dass ich nicht weiter für seine Beziehung zu unserem Sohn kämpfen werde; er müsse sich jetzt selber darum bemühen. Seither läuft es sehr gut.
Simon hat ein Recht auf seinen Vater. Mir ist wichtig, dass Simon mit seinem Vater eine gute Zeit hat, dass er auch dort ein schönes Daheim hat. Ich war natürlich in der bevorzugten Situation, für mich selbst keinen Unterhalt vom Kindsvater zu benötigen. Zudem war ich als Sportlerin weit gereist und hatte viel gesehen, was mir eine gewisse Distanz erlaubte.
Der Kontakt zu meinem Ex-Mann ist heute eher wie Bruder und Schwester. Ein Kind gehört ja niemandem. Es braucht den Kontakt zu beiden Eltern. Auch hat es von beiden Eltern her Grosseltern. Dass die neue Partnerin des Vaters das Kind nun miterzieht, bedeutet für die Mutter ein zu lernendes Loslassen. Aber der ausserhalb lebende Vater musste ja noch viel mehr Loslassen lernen, für ihn ist es also sogar noch schlimmer; und auch er muss akzeptieren, dass da plötzlich noch ein anderer Papi ist.
Kinder sind raffiniert und erzählen hier dies, dort das. Der einzige
Weg damit umzugehen, ist, solche Probleme sofort direkt zu klären.
Für mich ist es selbstverständlich, dass Scheidungskindern zu Mutter
und Vater Kontakt haben können. Ich weiss aber, dass dies nicht
selbstverständlich ist.
Auf JournalistInnen-Fragen:
Gibt es mehr Probleme, wenn der Mann die Frau verlässt als umgekehrt?
(Antwort von Prof. Dr. A. Guggenbühl) Nein, wenn eine Frau die Familie
verlässt, kann es sein, dass sie dies plötzlich bereut und Sehnsucht
nach dem Kind hat. Ich hatte einen Fall, in welchem eine Mutter nach 1½
Jahren Weltreise ihre Muttergefühle entdeckte. Die Behörden haben ihr
dies abgenommen und dem Vater das Kind weggenommen.
Verspricht das gemeinsame Sorgerecht eine Besserung?
(Antwort von Prof. Dr. A. Guggenbühl) Nein, denn auch dann kann eine
negative Dynamik trotzdem entstehen. Wenn die Mutter nicht will, hat
sie auch dann die Macht, Vater-Kind-Kontakte zu torpedieren oder gar
verhindern.