Samstag, 31. Juli 2010
Ruben und die Schweiz - ist nun alles in Butter? PDF Drucken E-Mail
Samstag, den 03. November 2007 um 08:14 Uhr
Mit der Verhaftung von Lucille Hunkeler und der Rückkehr des achtjährigen Ruben zu seinem Vater hat das Entführungsdrama einen dramatischen Höhe- und Schlusspunkt erreicht. Nachdem sich nun der gröbste Pulverdampf gelegt hat und im Laufe der Woche immer mehr Details zur Persönlichkeit der Entführerin ans Tageslicht gekommen sind, wollen wir einen Blick auf das Umfeld werfen, das es dieser Frau überhaupt erst möglich gemacht hat, mit dem Jungen jahrelang unterzutauchen.

Wir freuen uns aufrichtig mit Vater und Sohn, dass sie nach einer so langen Trennung so einfach wieder zu einander gefunden haben. Auch wenn der Junge nun endlich zu seinem Vater zurückkehren konnte, bleiben einige grundsätzliche Fragen offen.

Es ist an dieser Stelle nicht notwendig, die faktische Komplizenschaft der Schweizer Behörden bei dieser Kindsentführung zu verurteilen. Dies hat der Europäische Menschenrechtsgerichtshof bereits getan: Die Schweiz musste 15'000 Euro Busse sowie 5'000 Euro Entschädigung an den Vater bezahlen. Allerdings hat diese Strafe bisher noch kaum einen Bewusstseinswandel bei den Behörden herbeigeführt. Auch heute noch verweigern viele Behörden (wie zum Beispiel in der Stadt Zürich) Vätern den Kontakt mit ihren Kindern, wenn die Kindsmutter nicht dazu bereit ist. Das Bundesamt für Justiz hat zwar angekündigt, gegen diese elementare Menschenrechte verletzende Praxis vorzugehen - geschehen ist bisher jedoch gar nichts.

Es wird Zeit, dass sich im europäischen Recht - zu dem sich auch die Schweiz (trotz der Einwände ihres Justizministers) formell bekennt - das Instrument der punitive damages durchsetzt. In den USA werden unbotmässige Firmen mit millionenschweren Strafen belegt, damit sie auferlegte Bussen nicht einfach aus der Portokasse bezahlen, sondern tatsächlich ihr Verhalten ändern. Mit dem Urteil gegen Microsoft hat Europa diesen Weg auch beschritten. Es ist wünschbar, dass dieses Mittel nicht nur auf Wirtschaftsverfahren beschränkt bleibt, sondern auch auf eklatante Menschenrechtsverletzungen wie im Falle der Kontaktverweigerung gegen Väter in der Schweiz angewendet wird. Wenn die Schweiz für das rechtswidrige Verhalten ihrer Behörden jedes Jahr mehrere hundert Millionen Euro nach Luxemburg zahlen müsste, würden sich wohl sehr schnell die Dinge zum Besseren wenden.

Solange hängt es wohl von der Ausdauer und der Finanzkraft eines betroffenen Vaters ab, ob er sein Kind sehen kann. Nur wer in verschiedenen Ländern über mehrere Anwälte und Privatdetektive verfügen kann, scheint gegen den über unbegrenzte Ressourcen verfügenden Staatsapparat eine Chance zu haben. Wer sich nicht eine Heerschar von Rechtsberatern leisten kann, muss wohl oder übel sein Kind abschreiben.

Deshalb wirft dieser Fall (einmal mehr) ein fahles Licht auf die verstörenden Seilschaften in der schweizerischen Sozialindustrie: Gewisse ParlamentarierInnen, Behörden, Gerichte und grosse Medienhäuser ziehen am gleichen Strick, wenn es darum geht, Müttern die vollständige Verfügungsgewalt über ihre Kinder zu sichern. Nicht das von diesen Leuten inflationär gebrauchte (gleichwohl niemals definierte) Kindswohl zählt, sondern der Machtanspruch der Mutter - wie über ein Haus, ein Auto oder einen anderen Gegenstand (vgl. dazu: Die vier Artikel). Kinder dienen diesen Leuten als blosses Instrument; sie sind lediglich ein Hilfsmittel zur Befriedigung ihrer feministischen Ideologie. Wenn Kinder als Waffe im Geschlechterkampf missbraucht werden, kann dies die gleichen - teilweise traumatischen - Folgen haben wie ein sexueller Missbrauch. Es ist deshalb angebracht, von einem staatlichen Kindsmissbrauch zu sprechen.

Angesichts dieses tausendfachen Leids, das in der Schweiz den Kindern geschiedener Eltern angetan wird, ist die Schweiz ein Land der Schande. Es ist erfreulich und tröstlich, dass zumindest in anderen Ländern der Wille und das Engagement des Staates besteht, die Interessen des Kindes sowie rechtsstaatliche Prinzipien durchzusetzen und auch beträchtliche Ressourcen dafür zu investieren.

Es liegt an uns allen dafür zu sorgen, dass dies eines Tages auch in der Schweiz der Fall sein wird.

 

Michael De Luigi