Samstag, 31. Juli 2010
Richter erteilt Sorgerecht an Entführer PDF Drucken E-Mail
Dienstag, den 05. August 2008 um 12:11 Uhr
Nein, es geht diesmal nicht um Frau Wood, Frau Hunkeler oder ihresgleichen, sondern um das ferne Pakistan.

Andere Länder, gleiche Sitten: Die zwölfjährige Saba und ihre zehnjährige jüngere Schwester Aneela sind am 26. Juni 2008 in der pakistanischen Kleinstadt Chowk Munda spurlos verschwunden. Als der Vater Anzeige erstatten wollte, weigerte sich die Polizei, diese entgegenzunehmen. Er wurde eingeschüchtert und angewiesen, darüber Stillschweigen zu bewahren. Die Entführer, vier bekannte Menschenhändler, gingen zur Polizei, jedoch nicht um ihre Schuld einzugestehen, sondern um das Sorgerecht der Mädchen zu verlangen. Ihre Begründung: Die Mädchen seien zum Islam übergetreten und daher habe ihr leiblicher Vater, der Christ sei, keine gesetzliche Autorität mehr über seine Töchter.

Es dauerte mehrere Wochen, bis Younis mit Hilfe von Rechtsanwälten und dem Minister für Minderheiten und Menschenrechte endlich Anzeige erstatten konnte. Er fühlt sich in seinem Land nicht mehr sicher, wo die Christen - die weniger als zwei Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen - von den islamischen Gruppierungen unterdrückt und vom politischen System ausgenützt werden. „Sie denken, wir Christen seien keine Menschen und hätten keine Würde“, sagte Younis seinem Rechtsanwalt.

Younis Masih wurde nun das Sorgerecht für seine beiden Töchter entzogen. Die beiden Schwestern sind vor dem Distriktgericht in Muzaffargah für kaum zehn Minuten erschienen, um über ihre „Bekehrung“ zum Islam auszusagen. Sie waren umgeben von 15 muslimischen Männern. Seit ihrer Entführung am 26. Juni, als die Mädchen zu ihrem Onkel nach Sarwar Shaheed gehen wollten, hatten Younis und seine Frau sie nicht mehr gesehen. Für Younis besteht kein Zweifel, dass seine Töchter sich nicht frei äußern können. „Seit 20 Tagen sind sie nun bei diesen Männern, die sie unter Druck gesetzt haben.“ Die Eltern durften weder mit ihren Töchtern reden noch deren Geburtsanzeigen oder Schülerausweise vorlegen, die ihr Alter bestätigen. Younis befürchtet, dass seine Töchter sexuell missbraucht und in einen Prostitutionsring gebracht wurden. Mit Hilfe eines Anwalts für Menschenrechte haben die Eltern Berufung eingelegt.