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Luigi ist über 100 Kilo schwer, ein grosser Mann. Ein Mann, der sich zu wehren weiss. Eigentlich. Doch Luigi wird von seiner Frau geschlagen.
Luigi R* ist Taxifahrer aus Zürich. 40 Jahre alt. Ein gemütlicher Mann,
ein wenig übergewichtig. Er spricht ruhig, gelassen. Aber wenn er über
seine Frau spricht, dann hebt sich seine Stimme. Denn seine Frau, das
ist sie, die ihn verprügelt hat. Sie, die ihm das Leben zur Hölle
gemacht hat.
Luigi lernt Layla* vor zwei Jahren in Tunesien
kennen. Er ist Italiener, er hat ein grosses Herz. «Hab ich mich halt
verliebt», sagt er fast entschuldigend. Heute weiss er: das war der
grösste Fehler seines Lebens.
Sie, die etwas korpulente Frau,
erobert sofort sein Herz. Sein Glück scheint perfekt. Er nimmt sie mit
in die Schweiz. «Am Anfang gibt bizzeli Streit, klar, ist doch überall
so», sagt Luigi. Das schreckt ihn nicht ab, er liebt sie eben.
Am Hochzeitstag fängt das Martyrium an
Die
Hochzeit in Zürich ist schön. Nach der Feier gehen sie nach Hause. Es
ist Abend, Layla hat Hunger, will einen Kebab. «Gut, ich geh einen
holen», sagt Luigi. Er kommt zurück, sie fängt einen sinnlosen Streit
wegen dem Kebab an. Zuletzt schreit sie: «Ich schlafe nicht neben dir!»
Luigi versteht die Welt nicht mehr, «es ist doch unsere
Hochzeitsnacht?». Er verwirft die Hände.
Es ist März. Luigi
hat Nachtschicht, er fährt er Taxi. Am Nachmittag schläft er. So wie an
diesem Tag. Da fängt Layla einen Streit an, gibt ihm einen kleinen
Stoss. Er achtet nicht drauf, geht ins Schlafzimmer, er muss
schliesslich schlafen. Da passierts: Luigi donnert plötzlich ins Regal,
kann im Fallen gerade noch den Kopf wegdrehen. Layla hat von hinten auf
ihn eingedroschen, auf ihn, den grossen starken Mann. Er liegt am
Boden. Er hat Rückenschmerzen, kann sich kaum bewegen.
Luigi weiss nicht was er tun soll. Er geht ins Bett. Er kann gegen Layla nichts ausrichten. Will ihr nicht wehtun.
Sein Vater, ein Alkoholiker, hat ihm das eingetrichtert. Luigi, man
schlägt keine Frauen. Das sei feige, und «ich bin kein Feigling», sagt
Luigi.
Die
Polizei steht vor der Türe. Er soll Layla geschlagen haben. Behauptet
sie. Luigi spricht gequält. In der Unterhose im Wohnzimmer sitzt er,
zeigt den Beamten seine blauen Flecken. Luigi ist gedemütigt. Und er
hat Angst, unschuldig ins Gefängnis zu müssen.
Die Polizei? Die glaubt ihm nicht
«Tun
sie ihrer Frau nichts an», sagen die Polizisten. «Hab ich gar nicht!»,
sagt Luigi. Sie glauben ihm nicht. Ihm, dem grossen Mann, dem starken
Mann. Dann gehen sie. Luigi weiss nicht mehr, was er machen soll. Er
legt sich wieder ins Bett. Sie kommt rein, macht das Fenster auf. «Mach
zu, ich habe Nachtschicht», sagt Luigi. Sie streiten. Sie wirft den
Computer auf den Boden, er geht kaputt. Sie schlägt ihn wieder. Er sie
aber nicht. Luigi schlägt keine Frauen.
Während dem
Gespräch verändert sich die Stimme von Luigi immer wieder. Mal ist sie
bedrückt, wenn er in den Erinnerungen wühlt. Mal wird sie schrill, wenn
die Empörung aus ihm spricht, wenn er Verständnis für seine Situation
sucht. Die Erinnerung nimmt ihn mit.
Layla will nach
Tunesien, zu ihrer Mutter. Die sei krank, sagt Layla. Sie braucht Geld
für ihre Operation. Von Luigi. Der gibt ihr Geld. Insgesamt 100´000
Franken. Er weiss nicht obs die Mutter überhaupt gibt. Seine ist vor
fünf Jahren gestorben. Sie sagt, «ich muss zu meiner Mutter und ihr
helfen, sonst stirbt sie wie deine.»
Einmal stehen sie ihm
Wohnzimmer. «Layla macht Flirt mit mir», erzählt Luigi. Er gibt ihr
«ein Küssli». Die Bluse ist offen. Da schreit sie, er wolle sie
vergewaltigen, sie hole die Polizei. Luigi hat Angst, er will nicht
unschuldig ins Gefängnis.
Wenn er mit Frauen darüber spricht, sagen diese, «hau zurück». Männer
fühlen sich unwohl, wenn er mit dem Thema anfängt. «Jetzt schäme ich
mich nicht mehr», sagt sich Luigi. Er geht zur Polizei, will
Strafanzeige einreichen. Die glauben ihm nicht. Sagen, er solle sich
wehren. Luigi wird wütend. «Ich bin nicht so hart wie sie», schreit er
den Polizisten an. «Wie soll ich mich wehren?» Luigi schlägt keine
Frauen.
Er schläft manchmal im Hotel, weil er nicht mehr nach
Hause will. Luigi will die Scheidung. Er geht zum Zürcher Verein
«Mannschafft». Die raten ihm, das Schloss auszuwechseln. Das macht
Luigi. Irgendwann geht Layla endgültig. Sie geht in ein Frauenhaus, er
geht zum Psychiater. Er hält es nicht mehr aus, er muss mit jemandem
reden.
Verletzungen selbst zugefügt?
Das kann er
auch bei «Mannschafft». Es tut ihm gut, als er merkt, dass er nicht der
Einzige ist. Vor Gericht sieht er Layla wieder. Sie muss keine Busse
zahlen, trotz seiner Anzeige. Ihr Anwalt sagt, er habe sich die
Verletzungen selbst zugefügt.
Luigi ist enttäuscht. Enttäuscht
wie ihm das Schicksal mitgespielt hat, wie sie, seine Frau, mit ihm
gespielt hat. Er will sie nie mehr sehen. «Es braucht unbedingt ein
Männerhaus in Zürich», sagt er. Es gebe gewiss einige Männer, die sich
nicht trauen, irgendetwas zu sagen. Luigi mag Frauen nicht mehr. Er ist
verbittert.
Wenn Luigi Lust auf Liebe hat, kauft er sich
Liebe. Das geht, sagt er. Aber eine Frau kommt nie mehr in sein Haus.
Das ist ihm zu nah.
* Name geändert
(c) Blick online, 15.10.08
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