Samstag, 31. Juli 2010
Dielsdorf: Väter für die gemeinsame Elternschaft PDF Drucken E-Mail
Samstag, den 25. Oktober 2008 um 21:33 Uhr
Unter der Schirmherrschafft der beiden Organisationen mannschafft und dem Verein verantwortungsvoll erziehender Väter und Mütter (VeV) hat am Samstagmorgen in Dielsdorf eine Kundgebung stattgefunden. Mit einer eindrücklichen Zeremonie drücken Väter in Trennung oder Scheidung ihre Trauer über den Verlust ihrer Kinder aus.

Der erste dichte Nebel des Jahres liegt bleiern über dem Dorf; kaltes Neonlicht strömt durch die Gitterstäbe des benachbarten Gefängnisses. Vor dem Eingang zum Bezirksgericht in Dielsdorf steht ein schlichtes Holzkreuz. Davor ausgebreitet liegt ein schwarzes Stofftuch, auf dem ein paar Kerzen und kleine Plüschtiere ausgebreitet sind. Die Stimmung ist ernst, feierlich. Kurz nach zehn Uhr kommt Bewegung in die etwa 50 frierenden Anwesenden. Mit grosser Würde legen sie einer nach dem anderen eine Rose unter das Kreuz. Manchmal wendet sich jemand um, um ein paar Worte an die Teilnehmenden zu richten. Diese applaudieren, verfolgen aber schweigend und mit versteinerten Minen die Prozedur. Im Hintergrund ist ein leises Schluchzen zu hören.

„Viele Väter in Trennung oder Scheidung müssen erleben, dass der Kontakt zu ihren Kindern von heute auf morgen abbrechen kann, ohne dass sie dies verhindern könnten“, so Michael De Luigi, Vorstandsmitglied von mannschafft. „Wenn einem das eigene Kind aus dem Leben gerissen wird, ist dies eine überaus schmerzhafte Erfahrung. Beim Tod eines Kindes mag die Unumkehrbarkeit dieses Schicksalsschlages zunächst fast unerträglich sein, längerfristig jedoch ermöglicht sie jedoch Trauer und Ablösung. Wenn ein Kind auf Betreiben eines rachsüchtigen oder besitzergreifenden Elternteils entzogen wird, ist dies anders. Das Leben des Kindes geht weiter, die für seine Entwicklung enorm wichtige Beziehung zum anderen Elternteil verkümmert jedoch. Die Schäden für das betroffene Kind sind immens.“

Dies unterstreicht auch Oliver Hunziker, Präsident des VeV. „Obwohl auch Väter unter dem Entzug ihrer Kinder leiden, sind die Kinder die Hauptbetroffenen. Kinder können sich jedoch nicht wehren. Genau dies wollen wir ändern. Deshalb sind wir über unseren Dachverband, der Schweizerischen Vereinigung für Gemeinsame Elternschaft (GeCoBi) auch auf nationaler Ebene aktiv geworden.“

De Luigi schildert die Quintessenz aus jahrzehntelanger Beratungstätigkeit von mannschafft: „Leider müssen wir als Väter erleben, dass die Behörden jene Mütter, die ihre Kinder vom Vater fernhalten, gewähren lassen oder sogar unterstützen. Von Gerichten gefällte Urteile oder Verfügungen der Vormundschaftsbehörde werden einfach nicht vollzogen, wenn es um das Besuchsrecht von Vätern geht – ein unerhörter Vorgang in einem Land, das sich mit seiner Rechtsstaatlichkeit brüstet.“

Nachdem die Blumen abgelegt sind, lockert die Stimmung auf. Der Zug macht sich auf den Weg durch Dielsdorf zum Einkaufszentrum CD. Dort verteilen die Initianten Informationen und bieten Bratwürste an. Ein Akkordeonspieler, die Sympathiekundgebungen der Zentrumsbesucher und die durchbrechende Sonne sorgen dann dennoch für heitere Mienen bei den Teilnehmenden.

Fotos

Medienberichte: 20 Minuten, Tages-Anzeiger, Tagesschau