| Leserbrief zur ent!scheidung 4/08 |
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| Dienstag, den 13. Januar 2009 um 08:17 Uhr |
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Zu unserer Ausgabe 4/08 der ent!scheidung haben wir einen Leserbrief erhalten, den wir Ihnen nicht vorenthalten möchten:
Mit grossem interesse habe ich die letzte ausgabe ihrer zeitschrift "ent!scheidung" (nr. 112, 12.2008) gelesen. Gleich zwei artikel darin veranlassen mich, ein paar gedanken aufzuschreiben. Zum einen ist da das interview mit dr. johannes schmid, psychotherapeut, zum thema "wie kann eine partnerschaft gelingen?" ich (46) habe über 20 jahre lang mit meiner frau (41) eine wunderschöne partnerschaft und ehe erlebt. wir haben eine familie gegründet (heute haben wir drei kinder im schulalter) und ein haus gebaut. beide haben wir uns mit unseren bedürfnissen, unserer kindheit und herkunft und unseren erwartungen und ängsten auseinandergesetzt und auch gemeinsame visionen für unsere partnerschaft entwickelt - einmal sogar in einem kurs der uni freiburg. wir haben viel gelesen (unter anderem auch die zwei ersten bücher, die dr. schmid als literaturtipps angibt...), diskutiert, waren offen und ehrlich miteinander und auch punkto erotische anziehung hatten wir auch nach jahrzehnten kein problem. Als zum ersten mal ernsthafte probleme aufgetaucht sind (der grund war wie so oft - ein anderer mann!), habe ich uns zur ehetherapie angemeldet, die ich als äusserst bereichernd und professionell empfand, denn ich war immer der meinung, dass man für eine partnerschaft und vor allem die grosse liebe des lebens auch etwas "arbeiten" und tun muss, damit sie eine solche prüfung besteht. kurz, ich fand unsere partnerschaft etwas ganz besonderes, liebte meine frau über alles und ich wollte mit ihr alt werden. aber: nach zwei jahren therapie hat sich meine frau - ohne rücksicht auf die kinder und mich - für den anderen mann entschieden! jetzt stecke ich mitten in einem grossen scheidungsstreit, wos um die kinder, das haus und die unterhaltsbeiträge geht und ich musste aus meinem eigenen haus ausziehen und wohne jetzt alleine in einer wohnung. was will ich damit ausdrücken? für mich steht nach meinen erfahrungen fest: jede gescheiterte partnerschaft und ehe ist einzigartig und individuell! es gibt keine wirklich allgemeingültigen "regeln", dass eine partnerschaft gelingt. all die "tipps", die dr. schmid im interview erwähnt, haben wir berücksichtigt und trotzdem ist unsere ehe jetzt am boden. bis zu einem gewissen grad können ratgeber und therapien einer partnerschaft neuen schwung geben und bereichern, aber sicher ist letztlich nichts... Und das schlimme daran finde ich, ist, dass unsere gesetze und verordnungen, die eine trennung und scheidung regeln, in keiner art und weise auf die jeweils individuelle (trennungs)"geschichte" der partnerschaft eingehen (können)! ich werde jetzt zum beispiel dafür bestraft, dass ich (aus liebe) alles getan habe, um unsere ehe zu retten und über jahrzehnte für ehefrau, kinder und haus geschuftet habe: ich musste aus meinem haus ausziehen und der mann, der eigentlich unsere ehe zerstört hat, geht jetzt dort ein und aus; ich sehe meine kinder nur noch alle 14 tage; von meinem sehr guten lohn bleibt mir kaum noch das existenzminimum, mein ganzes erbe, das im haus steckt, werde ich wohl verlieren und im ganzen scheidungsverfahren wird mit keiner silbe berücksichtigt, wie einseitig unsere ehe kaputt gemacht wurde und dass zum beispiel meine frau bald ein millionenerbe zu erwarten hat! wenn ich nicht professionelle hilfe gehabt hätte, hätte ich diese stiche mitten ins herz (und ins portemonnaie) nicht überlebt... Ich komme zurück zu meiner aussage: "... aber sicher ist letztlich nichts". diese bringt mich nämlich zu meinen gedanken zu den interviews mit den zwei frauen, die als kinder die scheidung ihrer eltern miterlebt haben. und ich muss gestehen, dass mir die tränen nahe standen, als ich ihre worte gelesen habe. vor allem eines ist unseren erfahrungen gemeinsam: das vertrauen in eine partnerin, in einen partner ist ganz schwierig wieder zu erlangen, wenn man so etwas erlebt hat! und ich befürchte, auch meine kinder werden in einigen jahren ähnliche aussagen machen, denn sie können immer noch nicht fassen und begreifen, warum unsere wundervolle familie getrennt wurde: meine frau und ich haben uns nie gestritten, ohne auf der anderen seite ständig voller harmonie zu verschmelzen und uns als individuen aufzugeben. und das ist einer der grössten vorwürfe, die ich an die adresse meiner (ex-)frau richte: sie hat nicht nur in mir, sondern vor allem in den herzen unserer kinder, dafür gesorgt, dass diese wohl nie mehr das urvertrauen in eine partnerschaft haben werden, das es braucht, dass man diese geniessen kann und dass sie gelingen kann! Es wäre schön, wenn sich weitere männer äussern würden: sind sie auch der meinung, jede trennungsgeschichte ist einzigartig oder finden sie, dass es eigentlich immer ähnlich abläuft? und wie haben männer mit scheidungserfahrung die partnerschaften ihrer (scheidungs)kinder erlebt? haben diese wirklich mühe, vertrauen in einen partner aufzubauen? thomas etter, langnau im emmental |


