Samstag, 31. Juli 2010
Alptraum Scheidung - der ganz normale Wahnsinn PDF Drucken E-Mail
Montag, den 12. Oktober 2009 um 15:18 Uhr
Scheidungen sind häufig mehr als Trennungen von einem Partner, den man nicht mehr liebt. Nicht wenige Scheidungsauseinandersetzungen arten zu veritablen Rosenkriegen aus. Wer sich einst so sehr geliebt hat, dass er sich ein Leben ohne den anderen nicht mehr vorstellen konnte, wird nun zu erbitterten Feinden. Damit nicht genug, treten in diesen bedrückenden Schauspielen weitere Akteure auf: So etwa der Staat, dessen Vertreter allzu oft ihre eigenen Interessen verfolgen, oder auch Anwälte, die Rosenkriege als willkommene Gelegenheit betrachten, sich die Taschen zu füllen. Mancher Betroffener setzt zur Bewältigung seiner sich oft über Jahre hinwegziehenden Erlebnisse auf das Schreiben als Therapie.

Ein Beispiel für einen solchen Betroffenen ist Flavio Sardo, der seine jahrelange Leidensgeschichte in einem nur wenig verfremdeten Tatsachenroman niedergeschrieben hat. Er erzählt von seinem Eheleben, einer gutschweizerischen Idylle, in dem alles da ist, was es braucht. Doch dann bricht mit der Untreue seiner Frau der Scheidungshorror über ihn hinein:

Die erste ausserehelichen Beziehung mit einem ihrer Kollegen; die vielen Lügen; ihre zweite Beziehung mit einem verheirateten Mann; mein verzweifelter Versuch aus Liebe zu meinem Sohn, die Ehe noch aufrecht zu erhalten; ihre dritte Beziehung mit einer „Streetparade“ Bekanntschaft; meine Resignation; ihre vierte Beziehung mit einem Banker und dann mein definitiver Entschluss zur Trennung von meiner Ehefrau.

Ich hatte nur einen Wunsch. Ein gemeinsames Sorgerecht für unseren Sohn. Dies sollte jedoch zum erpresserischen Spielball meiner Ehefrau werden. Das war der Beginn eines Rosenkrieges, der ein Ausmass annahm, welches ausserhalb jeglicher Vorstellungskraft war und zufolge der Untergang meiner Hoffnung auf eine lebenswerte Zukunft. Ich wurde unter Druck gesetzt, erpresst und gedemütigt. Sie versuchte mich mit Lügengeschichten zu diskreditieren, mich als gewalttätig, als Betrüger und als Rabenvater hinzustellen. Sie versuchte alles, damit ich meinen Sohn so wenig wie möglich zu sehen bekam. Sie zog mir mit den überhöhten Alimenten-Forderungen das letzte Hemd aus. Es liefen diverse Eheschutzverfahren, Abänderungsklagen und die Scheidungsklage beim Bezirksgericht, Alimente- und Sorgerecht-Klagen bei Obergericht, drei Klagen beim Arbeitsgericht, zwei Zivilprozessverfahren bei der Staatsanwaltschaft. Ich wurde betrieben, ich wurde gepfändet. Ich verlor meine Firma, meinen Job und verschuldete mich hoffnungslos. Ich wurde krank, war nervlich am Ende und hatte nichts mehr zu verlieren.

Flavio Sardo hat seine Erlebnisse in einem E-Book auf (gegenwärtig) 492 Seiten der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Die frustrierende, wenn auch wenig überraschende Quintessenz seiner Erfahrungen lautet: “RECHT“ hat nichts mit „GERECHT“ zu tun!

Ähnliches hat der Deutsche Uwe Land erlebt. In seiner jahrelangen Scheidungsauseinandersetzung hat er seine Anwälte mehr hassen gelernt als seine Exfrau. Er hat für seine Scheidung insgesamt 13 Anwälte verschlissen, die ihn zu ihrer grossen Mehrzahl übers Ohr hauen wollten. Gemäss seinen Erkenntnissen haben zwei Drittel von ihnen überhöhte Rechnungen gestellt und damit einen Schaden von knapp € 200‘000 verursacht. Er ist gegen viele dieser Anwälte auch juristisch vorgegangen und konnte fünf von ihnen regresspflichtig machen. „Abgerundet“ wird Lands Kampf gegen die deutsche Anwaltschaft durch zwei Strafklagen, einem standesrechtlichen Verfahren und drei Pfändungen bis hin zur Zwangsräumung. Auch in Bezug auf die Qualität der Arbeit findet Land kaum ein gutes Wort. Vielfach habe er besser gewusst, was zu tun sei als die hochdekorierten und –bezahlten Spezialisten.

Auch er ist mit der absurden Vorstellung in den Prozessmarathon gestiegen, vor Gericht zu seinem Recht zu kommen. Was Exfrau und Richter ihm nicht abgenommen haben, haben seine Anwälte besorgt. Seine Erkenntnis lautet: Recht haben und Recht bekommen sind zwei paar Schuhe.

Lands Erfahrungsbericht findet sich hier.